Die bonavox®-Methode

bonavox® ist eine Arbeitsmethode zur Stimmentwicklung und Stimmerweiterung. Speziell ausgewählte bzw. komponierte Musik wird dabei für Übungen in allen stimmrelevanten Bereichen (Atmung, Flexibilisierung, Artikulation, Stimmeinsatz, Textgestaltung u.a.) als Trägerelement eingesetzt.
Durch Arbeit mit eigens dafür geschaffenen Texten, die das jeweilige stimmliche Thema zum Inhalt haben, wird der Zugang zum Gesamtphänomen Stimme auch auf nicht-kognitiver Ebene erschlossen.
Durchgängige Grundlage des Konzepts bildet speziell ausgewählte Musik im Sinn eines katalytischen Elements. Ausgangspunkt ist das Begreifen und Erfahrbarmachen musikalischer Strukturen (Tempo, Rhythmik, Melodik, Phrasierung) als stimmrelevante Parameter und deren Transfer in den Ablauf von Körper- und Atemübungen.
Musikunterstützte Artikulations-, Stimm-, Sprech- und Gesangsübungen auf ebendieser Basis zielen auf eine Verbesserung der freien Rede und des Singens. Diese wird erreicht durch Integration der genannten Parameter als gesamtkörperliches Geschehen.


Anwendung findet
bonavox®

  • in der Einzelarbeit mit Stimmpatienten (v.a. bei funktionellen und psychogenen Störungen)
  • in der Einzel- und Gruppenarbeit zur Sicherung und Erweiterung der gesunden Stimmfunktion (z.B. mit ChorsängerInnen)
  • als präventive Maßnahme für sprech- und stimmberuflich Tätige

Höre ich Musik erklingen

Höre ich Musik erklingen,
die von Meisterhand gemacht,
dann beginnt’s in mir zu schwingen,
groß und mächtig, sanft und sacht.

Rhythmus, Tempo und Akzente,
Bach- und Mozart’sches Genie:
Was ich bisher Stimme nannte,
wird viel schöner noch durch sie.

Alle ihre Energien,
jede rhythmische Figur,
Harmonien, Melodien
geben eine Klangstruktur,

der mein Atem, meine Stimme
sprechend, singend folgen muss;
Tiefen, Höh’n, die ich erklimme,
alles schwingt und kommt in Fluss,

laut und leise, auf und nieder,
Vieles ist darin vereint.
Üben will ich immer wieder,
bis es mir ganz einfach scheint.

Höre ich Musik erklingen,
spür` ich, was sie in mir weckt.
Ach, ich will so gerne singen,
was noch alles in mir steckt!

© bonavox, 1998

 

Dieses Gedicht, von einem professionellen Sprecher zu Musik rezitiert und an den Anfang der ersten bonavox®-Arbeitseinheit gestellt, vereinigt in sich unterschiedliche Wirkungen:

Der Text

  • formuliert mögliche Therapie-Ziele,
  • beschreibt den Bezug von musikalischem Geschehen und Stimmgebung,
  • dient als ein Beispiel für melodisch und rhythmisch angepasste Phonation
  • und unterstützt die Arbeitsmotivation des Patienten/Klienten.

 

Musik – für die Sprechstimme?

Die
bonavox®-Methode setzt als Basis für alle ihre Übungen (körperliche Flexibilisierung, Atmung, Vokalübungen, Texte, Dialoge) durchgehend Musik ein.
Wie der Salzburger Biologe G. Bernatzky nachweist (vgl. G. Bernatzky et al., Salzburg 1999), ist Sprache primär der linken Gehirnhemisphäre zugeordnet, Musik hingegen der rechten; das bedeutet, dass Sprache und Musik in gleichzeitiger Aktivierung verschiedenste neurologische Konnexmuster induzieren.
In der bonavox®-Methode ist die Funktion der Musik dabei nicht bloß, einen akustischen Hintergrund zu den Übungen zu liefern (wie das in manchen anderen Ansätzen der Fall ist). Vielmehr erfüllen die verwendeten Musikstücke aufs Genaueste die unterschiedlichsten stimmrelevanten Kriterien.
Je nach Übungsthemen sind dies z.B.:
Förderung von Motivation und Durchhaltevermögen für Bewegungs- und Lockerungsübungen durch schwungvolle und im Tempo genau gewichtete Musik.

  • Annäherung an physiologische Atemvolumina bzw. -rhythmen durch exakt getimte Tempo- und Phrasenverläufe.
  • Förderung von weichem Stimmeinsatz durch speziell arrangierte Instrumentierung (bezügl. Einschwingvorgang, Frequenzspektren der Instrumente)
  • Auffinden des mittleren Sprechstimmfeldes durch Melodiebögen in entsprechender Tonalität.
  • Unterstützung der Arbeit an Texten durch Musik mit jeweiliger Entsprechung in Tempo, Rhythmus und Phrasierung.
    U.a.m.
    Die verwendeten Musikstücke entstammen größtenteils dem klassischen Repertoire, jedoch in speziell abgestimmten Arrangements und Instrumentierungen – bzw. werden sie eigens für die Übungsbereiche komponiert und eingespielt.


Goethe, Kästner – oder
bonavox®?

Die
bonavox®-Methode arbeitet ausschließlich mit eigenen Übungstexten, die thematisch von den zu bearbeitenden stimmlichen Themen handeln. In ihrer formalen Gestalt nehmen sie in Metrum, Phrasierung und evtl. Reimbindung Bezug auf die Musikstücke, zu denen sie eingesetzt werden. Die Unumgänglichkeit dieser maßgeschneiderten Textgestalt, vor allem aber die stimmbezogenen Inhalte machen es unmöglich, für diese Arbeit vorgefertigte Texte zu verwenden.
Die bonavox®-Texte transportieren auf fast spielerische Weise ein beträchtliches Informationsvolumen zu den bearbeiteten Themen und ersparen solcherart dem Therapeuten wie dem Klienten einen guten Teil der Theoriearbeit: sie vermitteln stimmrelevantes Hintergrundwissen auf nicht-kognitiver Ebene.

Textbeispiel:

Gedicht zum Thema A

Mein A klang lang schon fahl und lahm,
es hauchte, knarrte hart und kratzte,
schwang klanglos aus – und dadurch kam
es, dass ich manchen Satz verpatzte,

was manchmal mich ganz traurig machte,
da das, was ich zu sagen hatte,
ich zwar brillant und glasklar dachte –
dann aber kam das A, das matte,

das manchmal aber auch ganz scharf
war, knallte oder hauchig qualmte,
und – falls man das so sagen darf –
den ganzen Sprachpalast zermalmte.

Da stand ich also dann im Glanz
all meiner strahlenden Gedanken,
die aber leider niemand ganz
verstand: dem A war’s zu verdanken,

dass alles, was ich salbungsvoll
und reich an starken Worten sprach,
am Ende leider gar nicht toll
klang – weil’s am A gebrach!

©
bonavox® 2000



Die
bonavox®-Methode in der Praxis

Nachdem der Patient / Klient in dem eingangs präsentierten Gedicht "Höre ich Musik erklingen" eine idealtypische Umsetzungsmöglichkeit als Leitbild erfahren hat, werden in der Folge geeignete Übungen und Musikstücke ausgewählt und durchgearbeitet. Diese können bei Bedarf zur Intensivierung mit nach Hause gegeben werden.
Um den Patienten / Klienten in seiner eigenen Übeaktivität zu unterstützen, wurde auf der Basis der
bonavox®-Methode eine Trainings-CD mit einem Grundübungs-Programm für alle basalen Stimmparameter erarbeitet, die ein selbstständiges tägliches Stimm-Warm-up unter klarer und verständlicher Anleitung ermöglicht. Stimmpatienten sollten mit diesem Medium und seiner Anwendung zunächst in der Therapie vertraut gemacht werden; für alle übrigen Anwender ist die CD mit dem Titel "Guten Morgen, Stimme! Das tägliche Warm-up für stimmintensive Berufe" auf Grund der darauf befindlichen Erklärungen jederzeit als Präventionsmaßnahme geeignet.
"Nur durch regelmäßiges Training (Stimmjogging) kann die Umsetzung von der Übungs- in die Alltagssituation erreicht werden. Die Stimmpflege bedarf einer regelmäßigen Übung und mus regelmäßig wie Zähneputzen erfolgen." Durch die Unterstützung der Übungen mit Musik wird ein lustvolleres und damit auch regelmäßigeres Üben gefördert.